ED TEMPLETON
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Ed Templeton ist ein ehemaliger Top-Skater und moderner Homo Universalis. Ich wollte eigentlich mit ihm über seine T-Shirts sprechen, die er für seine Firma Toy Machine entworfen hat, aber Ed war zu diesem Zeitpunkt für seine Ausstellung The Cemetary of Reason in Belgien. Diese wird im SMAK gezeigt, dem Museum für zeitgenössische Kunst in Gent.
Als ich beim SMAK ankam, stellte sich heraus, dass niemand Ed Bescheid gesagt hatte, seine T-Shirts mitzubringen. Und mehr noch, Ed fing das Interview mit "Ich bin nicht wirklich irgendwie ein modebewusster Typ" und beendete es mit "Ich schätze, man kann sagen, dass ich ein Mode-Vollidiot bin". Hmm. Hier kommt das fantastische Interview mit Ed - Mode-Vollidiot - Templeton.

Vice: Okay, lass uns über deine T-Shirts reden.
Ed Templeton: Ich habe sie für Toy Machine gemacht, aber eigentlich machen wir hauptsächlich Skaterzeug. Ich bin der einzige in der Firma, der noch T-Shirts entwirft. Die Rezession hielt uns vor Augen, dass eine Skater-Firma keine T-Shirts machen sollte. Es gibt keine Möglichkeit, dem Wettbewerb im Markt standzuhalten und wir verdienen damit auch nicht viel Geld.
Dennoch macht ihr mit den T-Shirts weiter.
Ja, aber wir waren dazu genötigt, unsere Produktionskosten stark einzuschränken. Das bedeutet, dass sie jetzt ganz allein mein Problem sind. Ich kann niemand anderes um Hilfe bitten. Wie Christopher Hansen. Er hat einmal ein T-Shirt gemacht, auf dem ein Moslem auf der Straße skatete und einen Wheelie oder so etwas machte. Jedenfalls war darauf die Zeile "Lass es geschehen" gedruckt. Wir haben auch einmal einen Hutlinie gemacht, die wir nach dem ganzen Krieg-gegen-den-Terror-Mist herausbrachten. Darauf stand so etwas wie "Kauf Toy Machine oder die Terroristen werden gewinnen!". Es wirkte wie eine gute Idee, um sie zu stoppen.
Denkst du lange und genau über deine Designs nach oder beginnst du einfach mit dem Zeichnen und siehst, was dabei herauskommt?
Ich mache einfach irgendwas, Alter. Als ich jünger war, habe ich mit dem Zeichnen angefangen und wollte Charaktere entwickeln, die einfach zu vervielfältigen waren. Du weißt schon, einfache Linien. (Während er das sagt, zeichnet er die einäugige Kreatur, die man auf vielen seiner T-Shirts, Sweaters und Socken wiederfindet.)

Ich hatte eigentlich eine Frage über diesen Zyklopen. Liegt es nur an mir oder sieht er nicht aus wie Plankton von Spongebob Schwammkopf?
Hey. Ich habe das auch bemerkt. Allerdings finde ich, dass er eher wie einer von den Schnorchels aussieht. Erinnerst du dich noch an die?
Ja, netter Cartoon.
Jepp. Aber auch Spongebob... ich denke wirklich, ich war zuerst da. Ich zeichne ihn jetzt schon seit einer langen Zeit, daher sage ich, dass sie ihn von mir gestohlen haben.
Ich werde das gleiche schreiben. Für die viele Leute ist Sport ein Weg, um Frustrationen abzulassen oder um etwas aus ihrem Körper zu bekommen. Und meistens benötigen sie dafür all ihre Energien. Aber du bist ein Skater, Fotograf, Künstler und ein bisschen auch ein Mode-Guru. Es muss eine Menge in deinem Kopf vor sich zu gehen, wenn du alle diese Dinge brauchst, um etwas abzubauen.
Ha ha, ja. Allerdings denke ich, dass die meisten Leute von einer Art inneren Kraft vorangetrieben werden. Ich kann keine Liste von den Dingen machen, die in meinem Leben passiert sind und zu den Energien führten, die ich habe, wie zum Beispiel das mein Vater mich verlassen hat oder sowas. So funktioniert das nicht. Es ist einfach meine Art des Lebens. Am Ende hängt alles vom Glück ab und das habe ich verstanden. Ich hatte so viel Glück, dass ich Mitte der 90er in Kalifornien aufwachsen und skateboarden konnte. Durch den Ruf, den ich mir als professioneller Skateboarder erarbeitete, bekam ich die Chance, meine anderen Arbeiten zu zeigen. Ich wäre wahrscheinlich nicht hier bei SMAK, wenn ich kein Skater gewesen wäre. Es ist beinahe so, als wäre ich zweimal entdeckt worden.
Vielleicht ist das zu philosophisch, aber ich werde es sowieso sagen: Ich denke, das ist ein Weg, um meinem Leben einen Sinn zu geben. Ich bin Atheist, aber zu Hause fragen mich die Leute, worin der Sinn liegt, wenn man keinen Gott oder Ziel hat, an das man glaubt. Ich sage, scheiß drauf. Es funktioniert, es ist befreiend für mich. Ich kreiere, was ich will, weil ich es kann und nichts mich aufhält. Das ist es, was ich versuche in meiner Arbeit zu spiegeln.
Als du 13 warst, hast du mit dem Skaten angefangen und wurdest mit 18 ein Profi. Als du 21 warst, hast du erfolgreich deine eigene Firma gestartet. Nach einiger Zeit hast du ernsthaft mit Kunst angefangen und dein Zeug auf der ganzen Welt gezeigt. Als wäre das alles noch nicht genung, wirkt es auch noch so, als wärst du glücklich verheiratet.
Ich habe das Gefühl, dass diese Frage zu etwas Gutem führt.
Ja. Deine Biografie lässt andere Leute schlecht darüber fühlen, was sie bisher in ihrem Leben erreicht haben. Beruhige sie und erzähl uns etwas über die Zeiten, in denen du wirklich versagt hast.
Ha ha. (Denkt nach) Tut mir leid, aber mir kommt keine echte Niederlage sofort in den Sinn. Allerdings, wie ich geboren und aufgewachsen bin? Man kann darüber kein Buch schreiben, das ist es nicht wert. Ja, mein Vater hat mich manchmal geschlagen, aber auch nicht doller, als andere Leute von ihren Vätern geschlagen wurden.
Ich habe die Biografie von dir gelesen, die folgende Zeile beinhaltete: "1985 hat Ed mit seinem Freund Jason Lee mit dem Skateboarden angefangen, in seiner Heimatstadt Huntington Beach, Kalifornien." Das ist eine richtig melancholische, romantische Art, um es auszudrücken.
Ja, weißt du, vielleicht ist das die Mentalität von den Leuten in der Skater-Welt. Damals waren wir alle so motiviert und voller Ambitionen. Wie zum Beispiel Jason, der dann Earl in der Comedy My Name Is Earl wurde. Ich wusste, er würde erfolgreich sein, er hatte etwas in sich. Es ergab nur Sinn, dass er Schauspieler wurde. Er war nicht die Sorte, die darauf wartet, dass ein Magazin an seine Tür klopft und nach einem Interview fragt. Er hat das Magazin einfach selbst gemacht. Es lässt sich schwer erklären, aber wie ich bereits gesagt habe, denke ich, dass es Teil der Skater-Kultur ist.

Skate Kids On Bikes von Ed Templeton
Dinge haben sich aber drastisch geändert, oder?
Ja. (Stille) Es gibt jetzt eine Menge Jocks. Typische athletische, jugendliche Jungs, du kennst die Sorte? Und Schwulenhasser. Aber der Kern ist immer noch da. Leute, die wirklich sehr unterschiedlich sind: Künstler, Kreative. Ich könnte eine Menge professioneller Skater nennen, die unglaublich viel Talent haben. Es gibt einfach nur viel mehr Jocks um den Kern herum als früher. Ich bin froh, dass ich in den frühen 90ern geskatet habe.
Warum The Cemetary of Reason?
Der Titel stammt von einem Gedicht. Na ja, nicht wirklich ein Gedicht. Das klingt komisch. Es war etwas, das ich nach den Bush-Jahren geschrieben habe, während der Wahlen vor zwei Jahren. Ich mochte den Klang.
Ich habe einen Videoclip gesehen, in dem du, eindeutig unwohl mit der Situation, erklärst, warum das eine "Halb-Karrieren-Retroperspektive" war.
Ha ha, der Clip, ja. Sie kamen plötzlich auf die Idee. Sie meinten, “Hey! Lass uns einen Videoclip machen!” Ich sagte, “Wann?”. Sie meinten, “Wir kommen.” Allerdings nenne ich das eher eine Zusammenfassung. Es schaut auf meine Karriere zurück, weil es etwas von allem hat, was ich bis dahin gemacht habe. Einige Stücke musste ich mir von Sammlern borgen. Das Museum gab mir so viel Platz, den konnte ich nicht selbst füllen. Ich bin kein schneller Maler.
Okay, entschuldige, dass ich derjenige sein muss, der das sagt, aber... du bist beinahe 40 Jahre alt.
Verdammt, daran habe ich heute Morgen in der Dusche gedacht.
Ja? Bizarr. Jedenfalls bist du halb mit dem Leben durch und hast bei allem, das du versucht hast, immer das Höchste erreicht. Gibt es noch irgendwelche Pläne?
Das ist nicht, wie ich darüber denke. Ich denke nicht, oh toll, ich habe jetzt diese Ausstellung, das war mein Ziel und ich habe es erreicht. Ich setze mir einfach keine Ziele. Das erspart Enttäuschung und stellt sicher, dass ich nicht super aufgeregt werde. Nein, es ist noch nicht für mich vorbei. Andernfalls könnte ich mich auch selbst umbringen. Ich habe eine Menge Zeug zu tun.

Da ich nun sehe, dass es eigentlich ein modeorientiertes Interview sein sollte und wir kaum über Mode gesprochen haben, werde ich dir nun ein paar willkürliche Fragen über Mode stellen. Ansonsten lassen sie die Büro-Domina auf meine makellos rosigen, weißen Arschbacken los. Du warst überall auf der Welt, welches Land zieht sich am schlimmsten an?
Meine erste Reaktion wäre die USA gewesen, aber ich bin unbefangen, weil ich da herkomme. Im Prinzip jedoch definitiv Russland. Verdammt, die Klamotten, die die Leute da tragen, waren unglaublich. Die Mädchen ziehen sich unglaublich nuttig an. Selbst wenn sie Einkäufe erledigen, tragen sie enge schwarze Lederkleider. Beunruhigend. Ich habe einmal einen Russen deswegen gefragt und er meinte: “Wir wurden so lange unterdrückt. Jetzt sind wir wieder frei, die ganzen Frauen haben ihre Selbstkontrolle verloren.” Aber Zuhause, in Huntington Beach, ist es immer schön und warm, daher können die Leute Shorts und Shirts tragen. Auf der anderen Seite ist es in Belgien kalt, daher müssen sich die Leute in schönen Mänteln und Schals einpacken. Das hilft einem besser auszusehen, weißt du.
Was wirst du tragen, wenn du im Ruhestand bist?
Ich werde einfach nur das tragen, was ich kostenlos bekommen kann, Alter. Ich denke, ich werde dann immer noch so sein. Vielleicht sogar mit denselben Klamotten! Meistens geht aber meine Frau für mich einkaufen. Ich denke nicht darüber nach, was ich trage. Ich bin irgendwie ein Mode-Vollidiot.
Schön zu hören. Meine Arschbacken kann ich jetzt schon vergessen.
JASPER MISPELTERS




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